Waldboden-Einstreu bei Equinem Asthma – für mich ein No-Go
Waldboden-Einstreu bei Asthma – ein No-Go

Vor einiger Zeit habe ich in einem Reel gesagt, dass Waldboden-Einstreu für Pferde mit equinem Asthma aus meiner Sicht keine gute Wahl ist. Die Reaktionen darauf waren gemischt – viel Zustimmung, aber auch deutlicher Gegenwind. Weil dir pauschale Aussagen ohne Begründung nichts bringen, möchte ich hier erklären, wie ich zu meiner Einschätzung komme.
Ergo: Das ist meine fachliche Meinung als Pferdetherapeutin, basierend auf meiner täglichen Arbeit mit Asthma-Pferden. Keine wissenschaftliche Abhandlung, aber dennoch habe ich versucht, meine Meinung fundiert zu belegen.
Was ich dabei natürlich nicht vergesse: Waldboden hat echte Vorteile. Die werde ich auch benennen. Trotzdem komme ich für Asthma-Pferde zu der Empfehlung, davon Abstand zu nehmen.
Was ist equines Asthma – und warum ist die Einstreu so wichtig?
Equines Asthma ist der aktuelle Oberbegriff für chronische, nichtinfektiöse Entzündungen der tiefen Atemwege beim Pferd. Was früher COB, COPD oder Dämpfigkeit hieß, fällt heute unter diesen Begriff. Das Pferd reagiert überempfindlich auf eingeatmete Partikel: Staub, Bakterienbestandteile, Polen und auch Pilzsporen.
Wie groß das Problem ist, zeigt eine Studie an 731 Sport- und Freizeitpferden, die über drei Jahre von belgischen Tierärzten untersucht wurden: 88 % der Pferde hatten eine diagnostizierte entzündliche Atemwegserkrankung (Inflammatory Airway Disease, IAD = eine Form des equinen Asthmas). Bei 81 % der untersuchten Atemwegsproben ließen sich Pilzelemente nachweisen. Pferde mit Pilznachweis in der Atemwegsprobe hatten ein rund doppelt so hohes Risiko für eine IAD-Diagnose wie Pferde ohne Pilznachweis. Als Risikofaktoren identifizierten die Autoren unter anderem die Einstreu- und Fütterungsart.
→ Quelle: Dauvillier J, Ter Woort F, van Erck-Westergren E. Fungi in respiratory samples of horses with inflammatory airway disease. Journal of Veterinary Internal Medicine, 2019;33(2):968–975. DOI: 10.1111/jvim.15397
Die Einstreu ist also kein Randthema. Sie ist einer der direkten Einflussfaktoren auf die Stallluft, die das Pferd rund um die Uhr einatmet. Und damit einer der größten Hebel für dich, um dein Asthma Pferd auf dem Weg in die Symptomfreiheit zu unterstützen.
Was ist Waldboden-Einstreu überhaupt?
Waldboden-Einstreu ist kein einheitliches Produkt. Jeder Anbieter hat seine eigene Zusammensetzung: mal reine Nadelbaumanteile, mal Kompost und Erde, mal zusätzlich angereichert mit effektiven Mikroorganismen. Was alle Produkte gemeinsam haben: Sie arbeiten nach dem Prinzip des biologischen Rotteprozesses.
Manche Hersteller beschreiben ihr Produkt selbst als „Rotteprodukt“. Das ist kein Makel, wie man vielleicht aus dem Namen ableiten könnte, sondern das Funktionsprinzip. Organisches Material wird durch Mikroorganismen zersetzt. Dadurch baut die Einstreu Ammoniak ab, bindet Feuchtigkeit und bleibt geruchsneutral. Das sind echte, relevante Vorteile. Denn Ammoniak reizt die Atemwege und gilt ebenfalls als einer der Trigger für Equines Asthma.
Für die Atemwege des Asthma-Pferdes ist allerdings genau dieser Mechanismus trotzdem ein Problem. Obwohl die Ammoniak-Belastung herabgesetzt wird.
Die Argumente der Waldboden-Befürworter – und meine Einschätzung dazu:
„Waldboden ist staubarm – also gut für die Atemwege“
Dieses Argument höre ich am häufigsten. Und es stimmt zur Hälfte: Waldboden ist durch seinen natürlichen Feuchtegehalt tatsächlich staubarm. Staub ist ein Atemwegsreiz, das ist unbestritten.
Aber Staub und Pilzsporen sind zwei verschiedene Dinge. Staub reizt mechanisch. Pilzsporen lösen beim sensibilisierten Pferd eine immunologische Reaktion aus, eine überschießende Immunantwort, die zur Verengung der Bronchien und zur Schleimbildung führt. Die Gleichung „staubarm = atemwegsgeeignet“ lässt Pilzsporen komplett außen vor. Die Schlussfolgerung, dass Staubarm super für die Lunge ist, stimmt. Im Fall von Waldboden-Einstreu ist das aufgrund der Pilzsporen nicht ganz zu Ende gedacht.
„Waldboden zersetzt Ammoniak – das ist gut für die Atemwege“
Auch dieses Argument für Waldboden ist nachvollziehbar und auch ein Vorteil dieser Einstreu. Ammoniak ist ein eigenständiger Atemwegsreiz, der die Schleimhäute angreift.
Aber hier beißt sich auch die Katze in den Schwanz: Die Mikroorganismen, die Ammoniak zersetzen, sind zu einem großen Teil Pilze. Ammoniak-Vorteil und Pilzsporen-Risiko kommen aus derselben Quelle. Man kann nicht das Eine haben ohne das Andere. Das heißt, soll Waldboden funktionieren, müssen Pilze enthalten sein, oder sich entwickeln dürfen. Womit wir fast nahtlos in das nächste Argument springen können, welches mir ebenfalls recht oft entgegenschallt.
„Bei Auslieferung ist die Einstreu frei von Pilzsporen und Keimen“
Manche Hersteller werben damit, dass ihr Waldboden durch natürliche Erhitzung beim Kompostierungsprozess hygienisiert wird. Das klingt super, aber wenn du bis hierhin aufmerksam gelesen hast, dann ahnst du wahrscheinlich schon, wohin das führt.
Wenn das Produkt bei Auslieferung „steril“ ist – was ich per se schon mal bezweifle –, wie funktioniert dann der Rotteprozess im Stall? Die Ammoniak-Zersetzung, die als Vorteil beworben wird, braucht aktive Mikroorganismen. Nach allem, was ich zum Roteprozess weiß, lässt sich das schlecht miteinander vereinbaren:
Kompostiereigenschaften gehen mit dem Rückgang der Bodenbiologie zurück, weshalb bei manchen Produkten sogar empfohlen wird, regelmäßig neue Mikroorganismen nachzuimpfen. Sterile Auslieferung und funktionierender Rotteprozess widersprechen sich, beides gleichzeitig geht biologisch schwer zusammen. Wer als Hersteller beides gleichzeitig verspricht, sollte das genauer erklären. Zumal ich hier auch noch daran zweifeln möchte, dass eine Einstreu, die bei Auslieferung frei von Pilzsporen und Keimen ist, das auch auf lange Sicht im Stall bleibt. Denn vermutlich wird die Einstreu auch verwendet und nicht nur in einem ebenfalls sterilisierten Raum gelagert. 😉
Das ist aber noch nicht alles, was dieses Argument zerschießt: Selbst wenn Sporen durch Erhitzung abgetötet wurden, sind sie wahrscheinlich immer noch allergen. Das zeigt ein Tiermodell aus der Grundlagenforschung.
Eine Studie der North Dakota State University an Mäusen hat gezeigt, dass sowohl lebende als auch durch Bestrahlung abgetötete Aspergillus fumigatus-Sporen bei bereits sensibilisierten Tieren Asthmasymptome auslösen können. Die allergene Wirkung kommt von den Proteinen in der Sporenhülle, und die bleiben nach dem Abtöten ausreichend erhalten. Es handelt sich um ein Mausmodell, keine Studie am Pferd. Das zugrundeliegende Prinzip, Allergenität bleibt auch nach dem Absterben der Spore bestehen, hängt aber an der Proteinstruktur der Sporenhülle selbst und ist damit unabhängig von der Tierart plausibel, wenn auch noch nicht fürs Pferd belegt.
→ Quelle: Pandey S, Hoselton SA, Schuh JM (2013). The Impact of Aspergillus fumigatus Viability and Sensitization to Its Allergens on the Murine Allergic Asthma Phenotype. DOI: 10.1155/2013/619614. PMC3770015.
„Der Waldboden enthält nur gute Pilze – keine schädlichen.“
Dieses Argument klingt auch erst einmal gut, muss aber auch noch einmal genauer unter die Lupe genommen werden, denn es ist biologisch so nicht haltbar. Es gibt keine wissenschaftliche Kategorie „gute Pilze für Atemwege“. Was es gibt, ist das Konzept des opportunistischen Erregers: ein Organismus, der für ein gesundes Immunsystem harmlos ist, für ein sensibilisiertes Immunsystem aber zum Problem wird.
Ob das jetzt relevant ist, können wir nur sagen, wenn wir uns mal anschauen, welche Pilze natürlicherweise an Rotte beteiligt sind, fragen wir uns also, welche Pilze im Waldboden und in Kompost tatsächlich vorkommen und was die Wissenschaft über ihre allergene Wirkung weiß:
Aspergillus fumigatus
Dieser Pilz hat sich evolutionär darauf spezialisiert, Kohlenstoff und Stickstoff in verrottendem organischen Material umzusetzen. Er ist der klassische Kompostpilz. Gleichzeitig ist er der am besten untersuchte Pilz-Allergen bei Atemwegserkrankungen überhaupt. Besonders relevant: Eine Studie der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig hat Aspergillus fumigatus-reaktive Immunzellen direkt in der Lungenspülflüssigkeit von Pferden mit schwerem Equinem Asthma nachgewiesen.
→ Quelle: Aspergillus fumigatus antigen-reactive Th17 cells are enriched in bronchoalveolar lavage fluid in severe equine asthma. Frontiers in Veterinary Science. PMC11368783. (Pferdestudie)
Penicillium chrysogenum
Ebenfalls ein typischer Kompost- und Waldbodenpilz. Eine Studie an Mäusen zeigt, dass er bei niedrigeren Dosen eine stärkere allergische und entzündliche Reaktion auslöst als Hausstaubmilben, eines der bekanntesten Allergene überhaupt. Die Studie wurde zwar nicht am Pferd durchgeführt, sondern im Mausmodell. Die grundsätzliche allergene Wirkung des Pilzes ist damit aber belegt und ich finde, es ist naheliegend, dass dieser Pilz auch einer der Übeltäter beim Pferd sein könnte.
→ Quelle: Ward MD et al. (2010). Penicillium chrysogenum induces a more robust allergic and inflammatory response at lower doses than house dust mite. Indoor Air, 20:380-391.
Cladosporium herbarum und Mucor racemosus
Beide kommen regelmäßig im Waldboden und auf verrottendem Pflanzenmaterial vor. Beide sind als Allergene bei menschlichen Asthma-Patienten wissenschaftlich nachgewiesen. In einer Studie an 72 Patienten mit Aspergillus-Sensibilisierung in China reagierten über 87 % gleichzeitig auch auf mindestens einen dieser weiteren Pilze. Das ist eine Humanstudie, keine Pferdestudie. Sie zeigt aber, dass diese Pilze beim Menschen zuverlässig Kreuzreaktionen mit Aspergillus-Sensibilisierungen auslösen, was angesichts ähnlicher Immunmechanismen bei equinem Asthma zumindest ein Hinweis ist, wenn auch keine Bestätigung.
→ Quelle: Molecular allergen sensitization of Aspergillus fumigatus between ABPA and Af-sensitized asthma. Journal of Clinical Laboratory Analysis. PMC7595924.
Das Immunsystem des Asthma-Pferdes reagiert also auf Sporen. Die Unterscheidung in „gut“ und „schlecht“ hilft hier nicht weiter und ist eine Einteilung, die einfach keinen Sinn macht, wenn man weiß, dass ein Pferd mit equinem Asthma nicht so reagieren muss wie das nächste. Die Trigger sind mannigfaltig und was für das eine Pferd gar kein Problem ist, bringt das andere Pferd fast um.
Kleiner Hinweis noch der Vollständigkeit halber: Von den vier genannten Pilzen ist bislang nur Aspergillus fumigatus direkt am Pferd mit equinem Asthma in Verbindung gebracht worden. Die anderen drei sind in Maus- und Humanstudien untersucht worden. Ich halte die Übertragung auf das Pferd für plausibel, aber sie bleibt eine Übertragung, keine equine Direktevidenz. Und abgesehen davon reicht mir eigentlich auch der Fumigatus aus, um daraus meine Schlüsse zu ziehen.
Schauen wir uns das nächste Argument an, was ich ebenfalls ziemlich häufig zu lesen bekam:
„Bei meinem Pferd funktioniert Waldboden einwandfrei“
Das ist eigentlich eher eine Erfahrung als ein Argument, aber wir schauen das trotzdem an denn das glaube ich denjenigen auch. Pferde reagieren individuell auf Allergene. Ein Pferd, dessen Asthma hauptsächlich durch Pollen ausgelöst wird, wird auf Waldboden-Pilzsporen möglicherweise kaum reagieren. Ein Pferd, das bereits auf Aspergillus fumigatus sensibilisiert ist, wird dagegen stark reagieren.
Das Problem: Man weiß meistens nicht genau, worauf das eigene Pferd sensibilisiert ist. Die präziseste Diagnosemethode, die Bronchoalveolärspülung (BAL), wird noch selten durchgeführt. Und wir wissen ja auch, dass sie equines Asthma entwickelt. Viele Pferde bekommen die Probleme erst, nachdem sie jahrelang Haustaub oder Ammoniak ausgesetzt waren. Warum also sollte ich das Risiko eingehen wollen, dass mein Pferd irgendwann auch auf die Pilze im Waldboden reagiert, weil es darauf schläft, wenn ich das vermeiden kann?
Welche Einstreu nehme ich dann?
Entstaubte Holzspäne: Bei guter Qualität haben sie eine geringe Pilzsporen-Belastung. Wichtig: „entstaubt“ auf der Verpackung ist nicht automatisch gleichzusetzen mit tatsächlich entstaubt. Die Qualität variiert stark zwischen Anbietern.
Holzpellets: Produzieren laut Studien weniger aerosolierte Pilzsporen und Bakterien als Stroh. Eine weitere Helsinkier Studie zeigte allerdings, dass Strohpellets wiederum schlechter abschneiden, mit erhöhtem Schleimwert und erhöhter Atemfrequenz.
→ Quelle: Mönki et al. (2022). Effects of Bedding Material on Equine Lower Airway Inflammation: A Comparison of Two Peat Beddings, Wood Pellet, and Straw Pellet. PMC8718510.
Ich persönlich bin bei Leinstroh hängen geblieben. Späne wären mir lieber, die bekomme ich aber nicht entsorgt. Also habe ich mich für einen Kompromiss entschieden, der für MICH passt. Das heißt nicht, dass das für dich auch passen muss.
Folgende Einstreu habe ich schon verwendet und das sind meine Erfahrungen damit:
Stroh: Nie wieder. Geht für Asthma-Pferde gar nicht. (Achtung, ich verteufle nicht Stroh an sich, ich verfüttere es z. B. auch – da muss aber die Qualität stimmen und es muss entsprechend behandelt sein, damit es dafür taugt.)
Späne: – nehme ich immer noch gerne auch mal im Notfall, grundsätzlich aber nichts für mich funktioniert, weil es mit der Entsorgung des Mists dann einfach schwierig wird.
Miscanthus, entstaubt: War ok, mir aber unterm Strich doch noch etwas zu staubig und nicht „flauschig“ genug
Miscanthus- / Holz- / Stroh- / Dinkel- / Rapsstroh- Pellets: waren ok, zersetzen sich aber sehr fein und mir wurde es dann über die Zeit doch auch zu staubig. Außerdem hat mich das Wässern genervt und es zog eines Tages ein Norweger ein, der die Dinger zum Fressen gerne hatte. Das wurde mir dann zu heiß
Dinkelspelz habe ich nur kurz probiert, ich kann gar nicht mehr sagen, was mir daran nicht gefallen hat – ich habe es jedenfalls nicht mehr im Einsatz
Gummimatten, funktionieren bei mir im Sommer ohne Einstreu hervorragend. Wenn nicht darauf uriniert wird – dafür muss man dann Alternativen anbieten. Im Winter, wenn ich einstreue, nehme ich an diesen Stellen die Gummimatten vorher raus – so kann ich hygienischer misten, weil nichts darunter läuft. Ich habe auch einen Bereich, den ich im Winter nur mit Gummimatten ausgelegt habe – solange man kein Pferd hat, das gerne auf die Matten pieselt, funktioniert das gut.
Hanfeinstreu – fand ich vom Handling her auch relativ gut, ich glaube, ich habe das aufgrund des Preises nicht mehr bestellt.
Rapsstroh fand ich auch ok, ich hatte aber, glaube ich, mal 2 Pferde in der Gruppe, die darauf reagiert haben. Vielleicht wegen der Pestizide im Raps. Genau kann ich es nicht sagen, ich habe das nicht testen lassen, sondern einfach nur die Einstreu gewechselt und die Pferde wurden besser.
Naturboden (nur draußen) geht immer noch am besten – aber eben bloß draußen und muss ggf. auch mal getauscht oder aufgeschüttet werden. Außerdem gehört das natürlich nur am Rande in die Kategorie "Einstreu".
Diese Aufzählung ist vielleicht nicht ganz vollständig, vielleicht habe ich den ein oder anderen Versuch vergessen.
Momentan nehme ich Leinstroh, das ist für mich gut zu bekommen, von der Staubentwicklung her ok und bei täglichem, vollständigem Misten (2x tgl. Abäppeln, 1x tgl. Urin, vollständiges Abtrocknenlassen des Bodens nach dem Misten) und auch gut zu entsorgen. ´
Nun muss man vielleicht noch dazu sagen, dass ich eben nur Teilbereiche der Anlage einstreue, verhältnismäßig wenig Pferde bei viel Platz habe und die Pferde sich grundsätzlich auch sehr viel in Außenbereichen aufhalten.
Was für mich funktioniert, muss also für dich nicht zwangsläufig das Richtige sein, was mich zum letzten Punkt führt:
Dein Management ist entscheidend, egal welche Einstreu
Die beste Einstreu hilft nichts ohne konsequentes Stallmanagement. Ammoniak ist ein eigenständiger Atemwegsreiz, und hier hat Waldboden tatsächlich einen echten Vorteil, wenn er richtig gepflegt wird. Meiner Meinung nach schlägt tägliches Misten mit einer staubarmen Einstreu aber diesen Pluspunkt des Waldbodens um Längen, insbesondere dann, wenn man sich die Nachteile insbesondere in Bezug auf Asthma-Pferde anschaut.
Weitere Faktoren, die mindestens genauso wichtig sind wie die Einstreuwahl: gute Stallbelüftung, staubarmes Raufutter, ausreichende Einstreuhöhe und, oft vergessen, Stallarbeiten wie Einstreuen und Ausmisten immer ohne Pferd im Stall durchführen. Das sollte ja eh schon selbstverständlich sein.
Es ist letztlich also eine individuelle Entscheidung, die von den Möglichkeiten im eigenen Stall abhängt. Was ich sagen kann: Für Pferde mit Equinem Asthma würde ich das Pilzsporen-Risiko des Waldbodens nicht eingehen. Da miste ich lieber täglich.
Fazit
Waldboden-Einstreu hat echte Vorteile: staubarm, ammoniakzersetzend, gelenkschonend, pflegeleicht. Für gesunde Pferde kann das eine sinnvolle Option sein.
Für Pferde mit equinem Asthma sehe ich Punkte, die mich skeptisch machen.
Erstens ist der Rotteprozess, das Kernprinzip des Waldbodens, biologisch nicht trennbar von Pilzsporen. Das eine gibt es nicht ohne das andere.
Zweitens sind die Pilzarten, die im Waldboden aktiv sind, wissenschaftlich nachgewiesene Allergene: allen voran Aspergillus fumigatus. Der ist auch direkt am Pferd mit equinem Asthma belegt.
Drittens gibt es bislang keine einzige Studie, die Waldboden-Einstreu speziell für Asthma-Pferde untersucht. Kein Hersteller zitiert eine. Zumindest konnte ich keine finden. Meine Empfehlung, Waldboden-Einstreu für Asthma Pferde nicht zu verwenden, beruht auf einem Logik-Schluss (gesunder Menschenverstand und so 😉) aus verwandter Forschung, nicht auf einer direkten Untersuchung. Ich hoffe aber, dass ich hier verständlich erklären konnte, worauf sich meine Einschätzung stützt.
Just saying: Das ist meine fachliche Einschätzung als Pferdetherapeutin, basierend auf meiner Arbeit in der Pferdereha mit unzähligen Asthma-Pferden. Wer unsicher ist, sollte das mit dem eigenen Tierarzt besprechen, am besten nach einer BAL, die zeigt, worauf das Pferd tatsächlich sensibilisiert ist.
Quellen
1. Dauvillier J, Ter Woort F, van Erck-Westergren E. Fungi in respiratory samples of horses with inflammatory airway disease. Journal of Veterinary Internal Medicine, 2019;33(2):968–975. DOI: 10.1111/jvim.15397
2. Mönki J et al. (2022). Effects of Bedding Material on Equine Lower Airway Inflammation: A Comparison of Two Peat Beddings, Wood Pellet, and Straw Pellet. PMC8718510.
3. Pandey S, Hoselton SA, Schuh JM (2013). The Impact of Aspergillus fumigatus Viability and Sensitization to Its Allergens on the Murine Allergic Asthma Phenotype. DOI: 10.1155/2013/619614. PMC3770015. Mausmodell.
4. Aspergillus fumigatus antigen-reactive Th17 cells are enriched in bronchoalveolar lavage fluid in severe equine asthma. Frontiers in Veterinary Science. PMC11368783. Pferdestudie.
5. Ward MD et al. (2010). Penicillium chrysogenum induces a more robust allergic and inflammatory response at lower doses than house dust mite. Indoor Air, 20:380-391. Mausmodell.
6. Molecular allergen sensitization of Aspergillus fumigatus between ABPA and Af-sensitized asthma. Journal of Clinical Laboratory Analysis. PMC7595924. Humanstudie.
7. Equines Asthma - Hanne Störmer
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